Psychotherapie als Behandlungsverfahren
Was genau passiert bei einer Psychotherapie und worin unterscheiden sich die einzelnen Ansätze? Wir wollen hier etwas Licht ins Dunkel bringen.
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Was ist eigentlich Psychotherapie?
Analog zur Behandlung körperlicher Erkrankungen ist Psychotherapie die Behandlung psychischer Erkrankungen. Die Voraussetzung für eine Psychotherapie ist daher, dass die Kriterien für eine oder mehrere psychische Diagnosen erfüllt sind. In Deutschland richtet man sich hierfür aktuell nach dem Diagnosekatalog der ICD-10 der WHO, Kapitel 5.
So wie wir Menschen einen Körper haben, der krank werden kann, so kann auch unsere Psyche erkranken. Wenn Sie körperlich krank sind, sei es eine Grippe, ein Beinbruch oder eine chronische Erkrankung wie Asthma, gehen Sie vermutlich zum Arzt, um sich Hilfe zu holen. Psychische Erkrankungen wiederum können trotz gesellschaftlicher Fortschritte bei Betroffenen immer noch zu Scham und Angst führen. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, psychische Erkrankungen anders als körperliche Erkrankungen zu bewerten und wir unterstützen Sie gerne auf Ihrem Weg.
„Psychotherapeut*in“ ist eine geschützte Berufsbezeichnung und darf nur von ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt werden, die nach dem Studium der Medizin oder Psychologie eine umfassende psychotherapeutische Ausbildung in einem sogenannten Richtlinienverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Psychoanalyse und systemische Therapie) abgeschlossen haben.
In einer Psychotherapie geht es im Weitesten Sinne immer darum, die Ursachen und Zusammenhänge auftretender Beschwerden besser zu verstehen, um daraus neue Lösungsansätze ableiten zu können. Psychotherapien finden in den allermeisten Fällen in einem Dialog zwischen Therapeut*In und Patient*In statt, in dem Frage- und Gesprächstechniken zum Einsatz kommen, jedoch können auch andere Methoden (z.B. visualisierende und darstellerische Methoden) angewandt werden. Die landläufig bekannte Situation mit der auf der Couch liegenden Patient*In kommt so nur in der Psychoanalyse vor.
Und was ist Psychotherapie nicht?
Psychotherapie ist von Coaching und Beratung abzugrenzen. Bei Letzteren geht es um die Bearbeitung einer recht eingegrenzten Fragestellung aus dem Bereich der Lebensprobleme. Bei der Psychotherapie geht es dagegen um die ganzheitlichere Betrachtung der Zusammenhänge aller Lebensbereiche eines Menschen und die Behandlung einer Symptomatik, die die Kriterien einer Diagnose erfüllt.
Was ist eigentlich Verhaltenstherapie?
Der Name „Verhaltenstherapie“ ist recht alt und inzwischen im Wortsinn eigentlich irreführend. In einer Verhaltenstherapie beschäftigen Sie sich weit mehr als nur mit ihrem Verhalten, sondern auch mit ihren Gedanken und Überzeugungen, Gefühlen und körperlichen Empfindungen, da man inzwischen weiß, dass nur alles zusammen das menschliche Erleben vollständig abbildet. Weiter geht es in einer Verhaltenstherapie auch darum, prägende Lernerfahrungen ihres Lebens auf ihren Bezug zu Ihren heutigen Verhaltensmustern zu untersuchen, um zu einem besseren Verständnis von sich selbst zu gelangen. Nicht zuletzt werden Sie dabei unterstützt, die gewonnenen Erkenntnisse schrittweise und konkret in neues, verändertes Verhalten umzusetzen.
Was ist eigentlich Akzeptanz- und Commitment-Therapie?
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (kurz ACT) ist eine moderne Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie unter Einbezug östlicher Weisheitstraditionen. Als sogenannter transdiagnostischer Ansatz geht die ACT davon aus, dass nahezu allen psychischen Erkrankungen die gleichen 6 Ursachenfaktoren zugrunde liegen, aus denen sich dann je nach Kontext und Lerngeschichte ganz verschiedene Symptome ergeben können. Diese 6 Faktoren wird im Folgenden die positive Zielvorstellung entgegengestellt, auf die in der ACT hingearbeitet wird:
Gedanklicher Fokus auf Vergangenheit/Zukunft | Achtsame Gegenwartsorientierung |
Starke Identifikation und Beschäftigung mit Gedankeninhalten | Abstand zu den eigenen Gedanken, Gedanken als mentale Ereignisse |
Unflexibles, einengendes Selbstbild, völlig eingenommen von Gedanken und Gefühlen | Das Selbst als flexibler Beobachter des eigenen Erlebens |
Versuch der Unterdrückung von unangenehmen Gedanken und Gefühlen, wodurch das Leben unbemerkt eingeschränkt wird | Akzeptanz und Raum für unangenehme Gedanken und Gefühle, ohne von ihnen kontrolliert zu werden |
Fehlende Werteklarheit und erlebte Bedeutungslosigkeit/Fremdbestimmtheit | Bewusstheit für individuelle Werte und Sinnhaftigkeit im Leben |
Passivität oder Impulsivität im Hinblick auf eigene Ziele | Engagiertes Handeln im Einklang mit eigenen Werten |